Ist Social Media Monitoring gar keine Marktforschung?

Ich habe gerade einen in mehrerer Hinsicht interessanten kurzen Beitrag bei bnet.com gefunden.

Dort macht Geoffrey James in sehr klaren Worten seinen Standpunkt deutlich, dass das, was man über Techniken des Social Media Monitoring über Konsumenten herausbekommt, nichts mit Marktforschung zu tun hat.

Hier seine vier Argumente:

1. Geschichten sind keine Beweise. Tausend Geschichten haben genau die gleiche Gültigkeit wie eine Geschichte, die genau gleich Null ist. Wenn Geschichten Beweise sind, dann sind fliegende Untertassen, Gespenster und Kobolde alle echt.

2. Kommentare sind selbst-selektiv. Echte Forschung beruht auf statistischen Zufallsstichproben. Personen, die kommentieren, sind für das Kommentieren empfänglich, was ihre Eingänge statistisch wertlos macht.

3. Anonymität erzeugt Verzerrung. Weil sich Kommentatoren oft nicht mit den echten Namen identifizieren, fühlen sie sich frei für “spitzbübische Stellungnahmen”.

4. Bezahlte Kommentare kommen Social Web gehäuft vor. PR-Firmen kaufen häufig Kommentare, die damit gefälscht sind. Umgekehrt bestellen Wettbewerber Kommentare mit gefälschter Kritik.


Warum das interessant ist?


Ebenfalls aus vier Gründen…

1. Weil es sich um “Totschlagargumente” handelt, die in der ein oder anderen Form auch für traditionelle Marktforschung gelten, dort aber mehr oder weniger sehenden Auges in Kauf genommen oder einfach ignoriert werden bzw. in Vergessenheit geraten sind.

2. Weil es erstaunlich ist, mit welchem Brustton der Überzeugung hier geschrieben wird. Als ob es nicht auch sehr schöne Beispiele gibt, dass eben Social Media Monitoring einen wichtigen Beitrag für Marktbearbeitung, Marketing, Markenführung und somit auch der Marktforschung leistet.

3. Weil nicht erst seit gestern Dienstleister, Consultants, und andere intelligente Leute die Möglichkeiten, die Social Networks der Marktforschung bieten, abwägen, bewerten, modifizieren und inspirierend einsetzen. Nur so bleibt die Marktforschung für unsere Kunden relevant!

4. Und schließlich, weil es Marktforschung reduziert und die immer noch weit verbreitete Sicherung des Status Quo stützt. Und damit sind die Argumente einer aufgeschlossenen Diskussion zu zukünftigen Anforderungen und Möglichkeiten alles andere als zuträglich.

Sei’s drum.
Ich hoffe nur, dass sich Auftraggeber, die sich unwohl mit dem Status Quo der Marktforschung fühlen, nicht verunsichern lassen und weiterhin mutig neue Wege bestreiten.

Fresh Talent

Unter diesem Titel gibt es derzeit bei brainjuicer einen sehr schönen Videozusammenschnitt vom ESOMAR Kongress 09 zu sehen.

Esomar_kongressIn diesem Video geben eine Reihe von internationalen Kolleginnen und Kollege ihre Meinung zu dem Thema wider, welche Möglichkeiten und Herausforderungen derzeit bestehen neue Talente an Marktforschung und ihre benachbarten Disziplinen heranzuführen.
Das sind zum Teil sehr interessante Einblicke, aus denen man zwischen den Zeilen sehr genau erkennen kann, wo auch international der Schuh so ein bisschen drückt.

Mein Lieblingskommentar dazu kommt von Laurence Gold, der zu bedenken gibt, dass bereits in der Lehre von Marktforschung und in der Vermittlung sowie Anwendung ihrer Ergebnisse Verbesserungspotentiale zu erkennen sind. Ich frage mich nur, welche Schauspieler oder Regisseur wäre denn bereit hier mal einzuspringen?

Und ich frage mich natürlich auch, wie Ihr das Thema bewertet. Welche Anforderungen seht Ihr, um den Kampf um die „fresh talents“ erfolgreich zu bestreiten? Welche Möglichkeiten gibt es und welche Erfahrungen habt Ihr (z.B. im Rahmen von Lehraufträgen oder anderen Veranstaltungen)? Oder denkt Ihr, das ist gar nicht so schlimm und das derzeitige Modell ist zukunftsfähig?

Ich bin sehr neugierig…

Messe Nachwehen…

So, nun ist die #RR09-Messe ja schon einen ganzen Monat her. Ich habe mir fleißig einige Vorträge angehört und muss sagen, dass das ganze Spektrum meiner persönlichen “Finde-ich-interessant-Skala” vertreten war.

Bei allen Vorträgen habe ich mir jedoch immer wieder eine Frage gestellt (und vielleicht ging es Euch ähnlich).

Was würde passieren, wenn die Marktforschung alle Ihre Tools und Methoden mal für die eigene Branche ausprobieren würde?

Entlang meiner #RR09-Vortragsroute mal ein paar Fragen, die man sich durchaus stellen könnte, wenn man will:

  • Wie wäre es mit einer MaFo-Trendmap? Welche Trend sind relevant?
  • Wie sieht denn die “ideal customer expereince” bei unseren Kunden aus, wenn das so wichtig ist?
  • Haben wir schon ausreichend die Vorteile von angepasstem MaFo-Crowdsourcing genutzt?
  • Wie steuern wir unsere Marke? Haben wir eine? Und wofür steht sie?
  • Und wie hängt das mit der Zufriedenheit unserer Kunden zuammen?
  • Lassen sich unsere Kunden ausschließlich nach Branchen und / oder Umsatz segmentieren?
  • Ist auch für uns Engagement wichtig? Wenn ja, wie lässt es sich planen und begleiten?
  • und … und … und …

Welche Fragen findet Ihr interessant? Was würdet Ihr im Rahmen von mehr “research on research” untersuchen?