Kein „Entweder Oder“ – eher ein „Mehr davon“

Ich möchte an dieser Stelle mal auf einen interessanten Post von Bruce Temkin auf seinem Blog Customer Experience Matters hinweisen. Der Artikel kann im Sinne von Polemik nicht so ganz das halten, was der Titel „Market Research Needs Less Statistical Analysis“ verspricht, Aber das ist ja eigentlich etwas Positives.

Gut, worum geht’s, …

Bruce stellt den Terminus „Contextual Insight“ dem der „Statistical Analysis“ entgegen. Contextual Insights versteht er dabei als „Observations drawn from data that resonates with an understanding of the business”. Diese ergeben sich vor allem durch das Verständnis des Business-Zusammenhangs für die Interpretation und die Anwendung der Ergebnisse, verbunden mit adäquaten Daten.

Ich finde das extrem charmant, denn das Verwendungsgebiet der erhobenen Daten ist entscheidend für die Nutzbarmachung und damit für den Projekterfolg.

Meine Meinung dazu ist, dass es wohl beides benötigt, um wirklich gute „Sachen zu machen“, analytische Fähigkeiten genauso wie die Bereitschaft, Zeit und Aufwände, um den Business-Context zu verstehen.
Wie gesagt, es ist weniger eine Frage von „Entweder Oder“ sondern mehr von „wie viel wovon“.

Die Kommentare zu dem Beitrag sind teilweise kontrovers, wie seht Ihr das? Ist es wichtig, das so explizit herauszustellen? Oder ist das eh schon ausreichender Teil unserer Arbeit?

The Marketing Directors – das Packaging stimmt

MarketingdirectorsEs tut sich etwas auf dem Markt der Marketing Research Consultancies. Sie nehmen die Disziplin Marktforschung und betten sie ein in ihr Produktportfolio, das weit über die Grenzen eines Full-Service-Insituts hinausgeht.

Marktforschung ist hier ein Tool, das dabei hilft die Marketing- und Beratungsaufgaben zu erfüllen. Das eigentliche Produkterlebnis wird aber über die Marketing Services vermittelt.

Was noch auffällt ist, dass die Aufmachung der Website (und sie ist wirklich nur ein willkürlich gewähltes Beispiel, sonst müsste ich den Auftraggeber offenlegen) ganz anders daher kommt als bei Full-Service-MaFo-Instituten. Für meinen Geschmack ein bisschen zu amerikanisch (obwohl es Briten sind), aber das Packaging stimmt.

MarketresearchersWie praktisch ist es dann, wenn man gleich noch ein Marktforschungslabel zu bieten hat, denn nun sind beide Richtungen der Wertschöpfung abgedeckt.

1. Marketing Services, die mit den Ergebnissen der MaFo arbeiten
2. MaFo Leistungen, die erbracht werden müssen, um Marketing Services zu erbringen.

So umgehen die Marketing Directors dieser Welt die klassische MaFo…

Wäre das nicht auch ein Weg für Marktforschungsexperten ihr Geschäft zu verbreitern? Was – außer eventuell Marketing und Consulting-Kompetenz fehlt hier eigentlich?

Oder ist schon jemand auf die Idee gekommen, hat es probiert und aus guten Gründen gelassen? Dann bitte her mit den Erfahrungsberichten…

Hier kann die Marktforschung etwas lernen…

In einem kurzen und lesenswerten Beitrag von Katie Delahaye Paine auf ihrem PR Measurement Blog stellt die Autorin einmal die Verhältnisse zwischen dem Anteil menschlicher und technologischer Leistung klar.

  • „Companies are recognizing that analysts drive insights, not the analytics tool itself.”
  • “Invest 10% of your analytics budget on the actual technology and 90% of your budget in the people who deliver actionable insight, whether in-house analysts, agencies, or vendor partners. It’s the people that matter.“
  • “There’s a new tool released every week […]NONE of them measure reputation, relationships, brand health, brand strength or anything else. […]”
  • “you need a sapient human, familiar with your goals and objectives that can look at those numbers and charts and draw some conclusions and make recommendations.”

Und das gilt für die Marktforschung – übrigens nicht nur im Kontext von social media marketing – ebenfalls. Es schadet sicher nicht, sich das immer einmal wieder ins Bewusstsein zu bringen…