Brauchen wir überhaupt noch analoge qualitative Forschung?

1. Warum es notwendig ist, die Frage zu stellen
Auf der Research & Results 2011 wurden die Glücklichen und die Unglücklichen gezählt.
Am Messestand eines großen Instituts war eine Kamera angebracht, welche die Vorübergehenden erfasste und klassifizierte. Auf einer Leinwand konnte man als Besucher die Ergebnisse ablesen…
… wie viele Frauen, wie viele Männer am Stand vorbei gekommen waren,
… wie alt diese Personen schätzungsweise waren,
… und: wie ihre Stimmung war.

Gemessen nach weltweit gültigen Mimik-Standards konnten wir sehen, wie viele Glückliche, wie viele Unglückliche, wie viele Erstaunte, wie viele Neutrale vorbei kamen.

Schlagartig wurde mir wieder bewusst, wie weit wir schon gekommen sind, mit unserem Drang zur Technisierung, Automatisierung und Virtualisierung der Marktforschung – und dass dieser Drang auch vor qualitativen Methoden nicht halt macht.

Schauen wir uns dieses Bedürfnis nach Digitalisierung – im weitesten Sinne – bezüglich der Marktforschung einmal etwas genauer an:

Primär werden natürlich die üblichen Gründe angeführt: Schneller gehen soll es, und kostengünstiger soll es auch werden, weil der Studio-Aufwand entfällt.
Als qualitative Forscherin gebe ich mich natürlich mit einer so offensichtlich-pragmatischen Antwort nicht zufrieden. Denn wir alle wissen, dass eingesparte Zeit mittelfristig durch höhere Schnelligkeitsanforderungen genauso aufgefressen wird, wie eingesparte Studio-Euro durch Verfeinerung der Online-Befragungs-Systeme.

2. Was qualitative Forschung in die digitale Welt treibt
Welche Motivationen könnte es also noch geben?

A. Verlangen nach „wissenschaftlich-objektiver“ Information.
Eine Studie des AKQua (BVM-Arbeitskreis für qualitative Forschung) in Zusammenarbeit mit der FH in Pforzheim hat ergeben, dass die qualitative Marktforschung häufig immer noch als Black Box gilt, als undurchsichtige Mauschelei, bei der willkürlich geäußerte Kundenaussagen auf nicht nachvollziehbare Weise zu “Insights” verarbeitet werden.
Was aber könnte objektiver sein als das unemotionale, weil technische Auge der Kamera in Verbindung mit international standardisierten Emotionen?!

B. Ordnung im Gefühls-Chaos
Die Beweggründe der Verbraucher für Sympathie, für Informationsbereitschaft, zum Kauf, etc. sind in ein chaotisches Knäuel unterschiedlichster und teilweise arg widersprüchlicher

http://denkimpuls.com/was-ist-neuromarketing-4

Emotionen verwickelt. Wie erkläre ich dem Marketing-Manager hinter der Scheibe, dass auch Fans seines Produkts nicht die Inhaltsangaben lesen oder dass jemand nicht lügt, wenn er behauptet, immer auf den Preis zu achten, aber bei der Allianz seine Versicherungen abgeschlossen hat?

Neuromarketing-Ansätze z.B. sind hier klar im Vorteil, sie zeigen ein eindeutiges und scharf umrissenes Areal im Hirn, sobald das geliebte Produkt gezeigt wird.

C. Zurückerobern des eigenen Einflusses
Die Gruppendiskussion galoppiert dahin … Da! Ein interessantes Statement über mein Produkt, aber schon ist die Gruppe beim nächsten Thema – bis ich den reitenden Boten mit dem Zettel nach vorne geschickt habe, ist die Nachfrage ohne Dynamikverluste nicht mehr einzubauen. Wer kennt diese missliche Situation als GD-Beobachter nicht auch?

So schön es ist, neutral hinter der großen Scheibe zu sitzen, so hilflos ausgeliefert fühlt man sich dort manchmal auch. Vielleicht ist das auch der wahre Grund für die berüchtigte GD-Beobachtungs-Müdigkeit, nicht Dunkelheit und Sauerstoffmangel …
Auch frustrierend – wenn die Gruppe geschlossen das wunderschöne Grün ablehnt, man aber keine Alternative in Lila dabei hat.

Wie schön ist es dagegen bei synchronen online-Gruppen mit dem Moderator im Kundenraum zu „tuscheln“ und bei asynchronen einen Tag später Alternativen nachschieben zu können!

3. Was aus der digitalen Welt auf unsere qualitative Forschung zukommt
Am Rande dieses Problemfeldes warten auf uns noch zusätzlich

  • Blog- und Social-Web-Analysen mit dem „unverfälschten“ Feedback „echter“ Verbraucher,
  • Web-Welt-Weite Inhaltsanalysen mit Google-Searchtools, die semi-qualitative, voranalysierte Aussagen zu (fast) jedem beliebigen Thema liefern,
  • und Fan-Communities wie Last.fm, Runnersworld oder Chefkoch.de, in denen echte Fans eines Themas ihre Ansichten, Einsichten und Vorurteile mit aller Welt und dem Marketer teilen.

4. Warum es trotzdem immer analoge qualitative Forschung geben wird
Die Probleme beobachtender Forschung im Netz wurden an anderen Stellen bereits hinreichend erörtert, z.B.: Woher weiß das Analyseprogramm ob mit „eine Bank“ eine Sitzgelegenheit im Park oder ein Geldinstitut gemeint ist? Schreibt hier der Fan oder die Webagentur des Fanartikel-Anbieters? Wem gehört der Content? etc.
Aber auch das aktive qualitative Fragen birgt im Netz Fallen, die uns doch immer wieder zu einer Validierung in der Realwelt zurück bringen:

  • Die sterile Harmonie vieler hochgeladener Fotos am Bulletin Board der Marketing Research Online Community (MROC) ist genauso wenig erhellend, wie die schockierende Offenheit, die manche Teilnehmer im Schatten der Netz-Anonymität entwickeln – beide verschleiern den Kern des Problems, das der Verbraucher mit der Produktkategorie und / oder der Marke hat.
  • Die ausgefeiltesten Emoticons dieser Welt können nicht annähernd so viel Information transportieren, wie ein reales Lächeln, das plötzlich aus einem Probanden herausbricht oder eine von Ekel gerümpfte Nase – denn einige Dinge werden dem Netz noch lange verschlossen bleiben: Persönliche Ausstrahlung, physische Dynamik, Gerüche, Haptik, etc.
  • Und solange wir nicht ausschließlich offline rekrutieren, ist kein Forscher davor gefeit, sich mit künstlichen Identitäten zu unterhalten, die das Thema gar nicht interessiert, aber umso mehr das Incentive oder das „Trollen“ in der Research-Community.

Die erfrischende Normalität der realen Verbraucher, die nicht – unsichtbar für den Forscher – schnell noch was zur gestellten Frage googlen oder an ihrem Hochglanz-Avatar polieren, wird sich also bei vielen Themen als die bessere Informationsquelle erweisen.
Und deshalb sind wir optimistisch, dass wir unsere Forschertage nicht einsam hinter dem Bildschirm beschließen müssen, umgeben nur von virtuellen Probanden, die uns mit Web-Inhalten statt mit ihrem Erleben füttern.Sondern wir werden weiterhin die Studios, Heime und Büros besuchen, mit lebenden Menschen sprechen, ihre Mimik beobachten und an schwierigen Stellen herumbohren, ohne dass der Proband in die Weiten des Netzes flüchten kann.

Bis eine anschauliche, lebensnahe und handlungsrelevante Analyse auf dem Tisch liegt!

Low level of social media connection and social media spirit for Germany’s MR industry

Recently Q –Agentur für Forschung and linkfluence released an inventory of the German market research network. You can access the interactive dataviz here (which is highly recommended).

What can we learn from the results?
Well, first of all we learn, that the internet network of market research in Germany not yet developed and divided into two parts. First of all there are traditional market research players (left side) that exist on the internet mainly isolated and “for themselves”.
And then there’s the networked side of the industry (right side). Here you find blogs and social network presences of agencies or individuals who produce (also) market research related content.

The degree of linkage between the two sides is rather weak and limited to a few connection points. Although the market research industry as a whole picks up momentum in the social media world social media agencies and specialized player are very active and much stronger located in social media than “classic market research”.

In addition, you can see that the German market research blogosphere is relatively small and personal. While in other communities the content is mainly delivered by bloggers and they discourse on issues play a central role, the market research blogging scene is very “manageable”. You probably won’t find open discussion on market research topics currently in the market research web. It therefore can be considered rather a Web 1.0 experience than Web 2.0. The German market research web is not dominated by user generated content or active exchange, but mostly by news, press releases or articles.

One could assume that the German market researchers have moved to a presence in social networks like Twitter and Facebook. But this is not the case. Here, too, German market researchers are very cautious and reserved. There are only a few active presences and little more intense exchange. #mr-Buzz is limited to a few activists. Public discourse or even public controversies are rare.

Explanations are easily found:
1. Traditional understanding of “secret”: news from the fields of techniques, methods, products or results are – from the inside perspective – highly confidential information that cannot be made available to the public under any circumstances
2. As long as the fear of lifting industrial secrets is that large, the exchanged and visible information thus is superficial and unsatisfactory. Exchange doesn’t exist.
3. Open and honest opinions and provocative theses are only very seldom to be found in the German MR-network. One of the main reasons for this is the perceived fear of negative consequences caused by the employer. The dominant opinion that it is not appropriate as an employee of a reputable company or a reputable agency to set up a provocative thesis on the future of market research or even comment this. Finally, you have to stand behind your corporate philosophy
4. Another explanation for the fact that almost nobody actively participates in knowledge sharing across the web 2.0 lies in the fact that they don’t receive any instruction from the management level for this. There is rather the attitude “I can take without giving”.

So no wonder that awareness and interest from outside the industry for the subject of market research is sometimes low. This is quite a shame as that here is an opportunity missed to directly interact with clients and customers and to design the role of market research more active.

Social media, networking and market research be on the agenda in Orlando, Florida at The Market Research Event 2011 , hosted by IIRUSA. Looking forward to having interesting chats about this.

End of the rise of social media? What about social media research?

Social media is still on the rise. Large networks, especially Facebook, increase not only their reach, most users use the site also more intense the longer they are members. These are findings from a recent research report by Gartner. But the report shows more: 

Gartner surveyed 6.295 people aged 13-74 in eleven different marketsbetween December 2010 and January 2011 .37 percent of respondents - most of them from young target groups - stated that they use their favorite social network more intense than at the beginning of their membership.

However, in some markets there seems to be an end of the rise of social media usage among consumers. Nevertheless, 24 percent said that the intensity of usage has decreased.

The markets where the users are more engaged with social media include, among others, South Korea and Italy, while the users in Brazil and Russia are tending to be less on the social web. The most important argument for reduced use: data protection and privacy.

What does this mean for Social Media Research? 

The same as for Social Media Marketing. That’s easy enough…

It isn’t enough to have a survey or even a poll on Facebook. That’s not how it works. We need innovation, we need inspiration. And we need to know the users of social networks annd their behaviour before we can survey than. Actuality is king as well keeping the attention high in order to use the very short attetion span in social networks. Tht btw is to my point of view one of the omst important reasons why gamification is more than a buzzword in recent times. 

So let’s get creative, and start by attending The Market Research Event 2011 in Florida, hosted by IIRUSA

Brand research in social web – what about B2C2C communication?

Stating the obvious, Facebook’s 714 million unique visitors worldwide in May 2011 (according to comScore) make it the largest social network amongst all. The immense coverage of social networks has animated brands to spread their branded content on social networks in general and specifically on Facebook.

Whereas there are more or less tried and tested instruments to examine coverage, brand exposure and so on for the distribution of branded content and advertising on traditional channels for years, for branded content via Facebook this is not the case.

There is hard evidence for the quantitative assessment of users of brand pages on Facebook (so called fans“), but almost all relate to the pure number of fans. Coverage is equated with the number of fans in most of the cases.

This is only the first half of the story, as current research shows the effect of branded content on Facebook (such as the study in collaboration by comScore and Facebook, link to the white paper (for free, but you need to register)).

In addition to the fans of brands on Facebook, where marketing as well as market research focus on, the friends of the fans are moving increasingly into the centre of interest. One reason for this is the fact that the number of friends of the fans surpasses the number of brand fans by far across almost all brands (comScore states factor 34 for this relationship for the top 100 U.S. brands on Facebook).

Another reason for paramount importance of friends of the fans can be seen in the fact that over 25% of the time on Facebook is spent with reading, viewing and tracking of the newsfeed (timeline). This area is the part of Facebook where messages of friends are displayed, including their interactions with brands that they are friends” of. The effect of this pure and additional brand impression is to be evaluated significantly more intense, because impressions don’t come from the brands but from the friends.

Therefore in this case, and unlike to traditional media, it is required to investigate further research in this “B2C2C communication” to understand the modes of causal relationship.

No insight without context!

Some time has passed since “contextual insights” was promoted (by Bruce Tempkin and others) as a great opportunity to deliver and activate insights.

Contextual insights – as the opposite of pure statistical analysis – need a broad and deep understanding of our clients’ business. In other words contextual insights are “…observations drawn from data that resonates with an understanding of the business”.

We benefit from contextual insights primarily by understanding the business context for the interpretation and application of the results, combined with adequate data.

I like the idea very much, I think it’s extremely charming. We might need more than data to deliver good insights. We have to dive deep into the client’s business world and understand the context of their needs and opportunities.

But that’s not easy in every case (and btw. that’s the reason why highly specialized companies more often employ their own market researchers instead of commissioning external agencies…)

Social Media Data is a perfect field for contextual data. Although there are tons of data, they weight nothing without appropriate context information.

This is a graph of more than 10,000 Facebook statusmessages, where people have reported that they have separated.

What is clearly missing here are real “contextual insights”, because the data reveal only the “when” and not the “why“. But as a starting point for analysis and as a pool for building hypothesis social media data could be quite interesting.

The question that remains is whether this is already the end of the road or if there is more.

Let’s see what we can learn from the 2011 TMRE11 in November, hosted by IIR USA. There is a nice track called “Activating Insights”. Really looking forward to it

Ist Social Media Monitoring gar keine Marktforschung?

Ich habe gerade einen in mehrerer Hinsicht interessanten kurzen Beitrag bei bnet.com gefunden.

Dort macht Geoffrey James in sehr klaren Worten seinen Standpunkt deutlich, dass das, was man über Techniken des Social Media Monitoring über Konsumenten herausbekommt, nichts mit Marktforschung zu tun hat.

Hier seine vier Argumente:

1. Geschichten sind keine Beweise. Tausend Geschichten haben genau die gleiche Gültigkeit wie eine Geschichte, die genau gleich Null ist. Wenn Geschichten Beweise sind, dann sind fliegende Untertassen, Gespenster und Kobolde alle echt.

2. Kommentare sind selbst-selektiv. Echte Forschung beruht auf statistischen Zufallsstichproben. Personen, die kommentieren, sind für das Kommentieren empfänglich, was ihre Eingänge statistisch wertlos macht.

3. Anonymität erzeugt Verzerrung. Weil sich Kommentatoren oft nicht mit den echten Namen identifizieren, fühlen sie sich frei für “spitzbübische Stellungnahmen”.

4. Bezahlte Kommentare kommen Social Web gehäuft vor. PR-Firmen kaufen häufig Kommentare, die damit gefälscht sind. Umgekehrt bestellen Wettbewerber Kommentare mit gefälschter Kritik.


Warum das interessant ist?


Ebenfalls aus vier Gründen…

1. Weil es sich um “Totschlagargumente” handelt, die in der ein oder anderen Form auch für traditionelle Marktforschung gelten, dort aber mehr oder weniger sehenden Auges in Kauf genommen oder einfach ignoriert werden bzw. in Vergessenheit geraten sind.

2. Weil es erstaunlich ist, mit welchem Brustton der Überzeugung hier geschrieben wird. Als ob es nicht auch sehr schöne Beispiele gibt, dass eben Social Media Monitoring einen wichtigen Beitrag für Marktbearbeitung, Marketing, Markenführung und somit auch der Marktforschung leistet.

3. Weil nicht erst seit gestern Dienstleister, Consultants, und andere intelligente Leute die Möglichkeiten, die Social Networks der Marktforschung bieten, abwägen, bewerten, modifizieren und inspirierend einsetzen. Nur so bleibt die Marktforschung für unsere Kunden relevant!

4. Und schließlich, weil es Marktforschung reduziert und die immer noch weit verbreitete Sicherung des Status Quo stützt. Und damit sind die Argumente einer aufgeschlossenen Diskussion zu zukünftigen Anforderungen und Möglichkeiten alles andere als zuträglich.

Sei’s drum.
Ich hoffe nur, dass sich Auftraggeber, die sich unwohl mit dem Status Quo der Marktforschung fühlen, nicht verunsichern lassen und weiterhin mutig neue Wege bestreiten.

Tot oder lebendig, egal. Marktforschung muss sich strecken…

Endlich mal eine sehr gute Kolumne auf marktforschung.de, noch besser als die anderen.
Der Umgang mit Social Media und Social Media Marketing durch die Marktforschung war (wieder mal) das Thema. Und ich glaube, die Kolumne sollte Mut machen, indem sie Angst vor allzu großer Veränderung nimmt.

Aber eine Sache habe ich auch nach mehrmaligem Lesen nicht ganz verstanden:
Wie kommt dieser Turn der Argumente zustande von einer m.E. richtigen Situationsbeschreibung (Ich mag den Ausdruck „erstaunlich konservative Ader“) zu diesem Push einer „Alles wird gut“ bzw. „Alles ist nicht so schlimm“-Stimmung? Wer kann mir auf die Sprünge helfen?

Vielleicht bleibt mehr gleich in unserem täglichen Arbeiten, unseren Methoden und Herangehenweisen als sich daran ändert, kann sein, wer weiß das schon.

Aber dass sich etwas ändern muss, liegt m.E. auf der Hand. Können wir die vom Oliver aufgenommene Frage „Wer, wenn nicht wir?“ wirklich so selbstbewusst beantworten? Und kommen unsere Kunden und Auftraggeber zu der gleichen Antwort auf diese Frage wie wir?
Meine Antwort ist: Nicht unbedingt!

Was ich schon Ende 2009 gesagt habe, glaube ich immer noch. Das Thema Social Media ist technologisch und methodisch eine Herausforderung an uns, keine Frage.
Aber es ist auch und vielmehr eine Herausforderung an die Positionierung der Branche. Denn durch Social Media wird deutlich, dass diese nicht mehr stark genug ist, nicht mehr bei allen unseren Kunden, nicht bei uns selber (warum braucht es sonst diese „Weckruf-Beruhigungs-Kolumne“) und schon gar nicht bei unseren alten und neuen Konkurrenten aus Beratung und Marketing.

Ja, wir sind alle „Versteher“, die Oliver aufzählt, alles richtig (mal besser, mal schlechter).

Aber sind wir auch „Markteting-Versteher“, wenn Marketing kein Bestandteil unserer Ausbildung ist? Und reicht „Verstehen“ überhaupt aus heutzutage? Und was ist mit Unterstützung bei der Umsetzung? Sind wir auch „Umsetzer-Versteher“? Und wenn nein, warum eigentlich nicht? Oder sind wir „Konkurrenz-Versteher“? Wir sagen unseren Kunden alles Mögliche über ihre Märkte, aber mit der Definition und Beobachtung unsere eigene Kategorie tun wir uns so schwer.

“Zukunft braucht Herkunft”, das gefällt mir gut, von mir aus gerne.
Aber das Festhalten an der Herkunft darf nicht bedeuten, dass wir versuchen alle herkömmlichen Modelle, Methoden und Ansprüche den neuen Herausforderungen überzustülpen. Denn das wird nicht funktionieren. Albert Einstein war es, der gesagt hat: “The definition of insanity is doing the same thing over and over again and expecting different results”

Interessant auch, dass „das Wort“, also die Kolumne weiter getragen wird, auch über eben die Social Media Kanäle. Also Augen auf: wir tun es auch, wie so viele andere. Social Media bestimmt auch unsere Interaktion mit.

Daher würde ich es eher – frei nach Frank Zappa – so beschreiben: „Market Research isn’t dead. It just smells funny.”

Aus aktuellem Anlass – BVM Diskussionsforum

Wer derzeit die Zeit und die Muße hat, den Newsletter, den inbrief oder die Seiten des BVM zu lesen, stößt unweigerlich auf das Thema “Zukunft der Marktforschung”. Dort heißt es:

Sie können sie uns Ihre Meinungen, Hoffnungen oder Bedenken zur Zukunft der Marktforschung mitteilen. Auf dem 45. Kongress der Deutschen Marktforschung diskutierten Experten zu Zukunftspotenzialen von Marktforschung und Marktforschern. Die dazu vorgetragenen 10 Thesen finden Sie im Diskussionsforum, das Sie über den folgenden Link “Diskussionsforum” erreichen:
Schreiben Sie einen Kommentar! Wir freuen uns auf zahlreiche Beiträge und eine rege Diskussion.

Wenn man dann die Diskussion verfolgt, bzw. verfolgen will, dann gibt es dort nicht einen einzgen Kommentar. Und ich nehme mich da nicht aus, auch ich habe (vielleicht noch) nicht kommentiert.

Woran mag das liegen?, fragt man sich vielleicht.

An der ein oder anderen Stelle haben wir ja bereits auf unsere Studie “Rockstar oder Show Stopper – Motive und Barrieren der Vernetzung innerhalb der deutschen Marktforschung” hingewiesen.

Nun ist es dann doch an der Zeit die Ergebnisse endlich zu veröffentlichen, nicht zuletzt, um die Zurückhaltung der Kolleginnen und Kollegen bzgl. des BVM-Diskussionsforum etwas näher zu verstehen. Auch wenn man aufgrund der Ergebnisse nicht unbedingt davon ausgehen kann, dass sich eine weitreichende Diskussion entzündet, sind wir sehr gespannt auf Reaktionen, Kommentare, Ergänzungen und Verbesserungsvorschläge.

Ausgangspunkt und Herausforderung:
Die Möglichkeiten zur gegenseitigen Vernetzung über das world wide web sind mittlerweile omnipräsent. Und in zunehmendem Maße werden diese Möglichkeiten auch von der Marktforschung entdeckt, evaluiert und angewendet. Market Research Online Communities, Co-Creation, Crowdsourcing, Open Innovation: überall da, wo Zuhören stärker gefragt ist als Fragen, überall dort entstehen auch für die Marktforschung neue Formen der Partizipation.

In der internationalen Market Research Community hat sich bereits eine Blogosphäre etabliert; Es entsteht eine Verbindung zwischen unterschiedlichen Marktforschern verstreut über den ganzen Globus, die sich an einem Ort treffen und austauschen, dem Internet. So werden aktuelle Herausforderungen und Anforderungen an die Marktforschung diskutiert, neue Ideen entworfen, geteilt und kommentiert. Neben Marktforschern nehmen genauso Marketing Manager wie Techies an den Diskussionen teil – mit jeweils ihren speziellen Sichtwiesen auf die Dinge.

In Deutschland gibt es so eine “Szene” nicht, und es gibt auch nur wenig deutsche Online-Präsenz in der internationalen Market Research Community.

Im Rahmen einer Eigenstudie haben wir uns auf die Suche nach den Gründen dafür gemacht, warum der Vernetzungsgrad der Marktforscher und Marktforschungsinteressierten im deutschsprachigen Raum im Internet nur sehr schwach ausgeprägt ist. Gleichzeitig wollten wir wissen, unter welchen Voraussetzungen, mit welchen Angeboten und Services eine Online-Vernetzung unter deutschsprachigen Marktforschern Deutschland vorangetrieben werden kann, so dass sich eine aus unserer Sicht längst überfällige Auseinandersetzung mit der Zukunft der Marktforschung entwickeln kann.

Zur Methode:

Wir haben insgesamt fünfzehn 90 – 120 minütige Tiefenexplorationen mit Experten durchgeführt, teilweise Face-to-Face, teilwiese telefonisch und teilweise über Chat. Von den 15 Explorationen entfielen jeweils fünf auf die Zielgruppen „Betriebliche Marktforscher“, “Marktforscher in Instituten” und “Marketing Manager”. Damit haben wir einen ersten groben Blick auf die Befindlichkeiten werfen können, sicher nicht mehr. Aber sicher auch nicht weniger.

Die Ergebnisse

Marktforscher in den Betrieben zeigten sich von allen Zielgruppe durchgehend am distanziertesten, unabhängig von der jeweiligen Polarität. Sie sind die Zielgruppe, welche die höchsten Barrieren gegenüber dem web 2.0 hat und die größten Zweifel bzgl. der Mehrwerte einer Vernetzung hegt.

Bei den Marktforschern aus Instituten haben wir den Eindruck gewonnen, dass die Beschäftigung mit dem Thema vor allem aus einer Verpflichtung resultiert, am Ball zu bleiben und aktuelle Themen zu beobachten. Diese Einstellung lässt eine Freiwilligkeit zum Austausch, welche die Grundvoraussetzung für eine aktive Vernetzung mit Kollegen und Kolleginnen darstellt, teilweise noch etwas vermissen.

Einzig die Marketeers betrachten das Thema Social Media ohne große Berührungsängste. In der Regel sind dies auch diejenigen, die bereits weitreichende Erfahrungen mit unterschiedlichen Plattformen und Angeboten gemacht haben.

Diesem konsistenten Bild Rechnung tragend, haben wir einen einheitlichen Colour Code für die Aufbereitung des Posters gewählt. In der Mitte des jeweiligen Spannungsfelds liegt ein Best Practise Beispiel eines Marktfoschungs-Blogs aus dem Ausland, das auf Basis von Sekundäranalysen ausgewählt wurde. Diese Blogs zeigen auf, wie die Barrieren des jeweiligen Spannungsfeldes überwunden werden können.


Und hier als PDF Download“Studienposter GOR 2010″

Im Rahmen der Analyse konnten wir fünf unterschiedliche Spannungsfelder identifizieren, die jeweils starke Barrieren aufweisen.

1) Expectation
Dieses Spannungsverhältnis bezieht sich auf die Erwartungen, welche die unterschiedlichen Zielgruppen an eine Vernetzung der Marktforschung im Internet stellen. Dabei ist es unerheblich, ob bereits reale Erfahrungen gemacht wurden oder nicht.

2) Disposition
In dieser Polarität geht es um die Bereitschaft der Marktforscher bzw. Marketing Manager an der Diskussion und am Austausch aktiv teilzunehmen. Auf individueller Ebene sprechen viele Gründe dafür, aber eben auch viele Gründe dagegen.

3) Role
Ein entscheidender Erfolgsfaktor ist die Definition der eigenen Rolle im Social Web. Mit der Definition der eigenen Identität im Austausch mit anderen werden im Verständnis der Befragten sowohl Chancen geschaffen, auf der anderen Seite ist dies subjektiv auch mit erheblichen Risiken verbunden

4) Trial
Schließlich existiert eine Reihe von Barrieren, die den „Sprung ins kalte Wasser“, also der Teilnahme an einer vernetzten Marktforschungs-Szene begünstigen oder eben verhindern.

5) Value
In diesem Spannungsverhältnis stellt sich die Frage, welcher Stellenwert dem Thema Social Media insgesamt und für die Marktforschungsbranche eingeräumt werden – auch im Sinne einer Zukunftsinvestition.

Ergebnisse zum Spannungsfeld „Expectation“:

Marktforscher und Marketeers sind immer auf der Suche nach aktuellen Kampagnen, Tools, Methoden und Studien. Das bedeutet aktive Recherche und regelmäßiges Screening relevanter Quellen mit dem Ziel, das eigene Wissen zu mehren. Veröffentliche Best Practise Studien und Kampagnen dienen der Inspiration für die eigene Arbeit.

Der Wunsch nach regelmäßigen, aktuellen branchenspezifischen Insidernews ist vor allem in der Zielgruppe der Marktforscher – betrieblich und institutsseitig – stark ausgeprägt.

Der Grund, warum diese aber nicht öffentlich ausgetauscht werden, liegt in der Angst vor dem Verraten von Betriebsgeheimnissen. Die begehrten und vergeblich gesuchten Nachrichten aus den Bereichen Techniken, Methoden, Produkte oder Ergebnisse sind aus der Innensicht heraus höchst vertrauliche Informationen, die unter keinen Umständen öffentlich zugänglich gemacht werden dürfen.

Nichtsdestoweniger finden es die Marktforscher erstaunlich und bedauerlich, dass öffentlich zugängliche Quellen, Blogs, Portal und Foren ergiebig sind. Sie sind allenfalls dazu geeignet, sich einen Überblick über diskutierte Themen zu verschaffen. Besteht der Bedarf an weiteren, tieferen Informationen, so geben diese Quellen nur noch wenig Auskunft. Daraus resultiert eine gewisse Resignation, die sich dann in Pauschalurteilen über entsprechende Wissensquellen ergießen.

Solange die Angst vor dem Verrat von Betriebsgeheimnissen jedoch so groß ist, müssen die ausgetauschten und somit auffindbaren Informationen oberflächlich und unbefriedigend bleiben.

„Natürlich kann ich da nichts schreiben über meine Kunden oder die Projekte, das würde meinem Chef und meinem Kunden sicher nicht gefallen. Gleichzeitig wäre das genau das, was ich eigentlich im web 2.0 suche.“

„Das Marketing hat es da leichter. Hier geht es ja um Veröffentlichung. Je mehr Leute das sehen, desto besser. Daher sind wir auch nicht schüchtern, wenn es um die Veröffentlichung unserer Ergebnisse geht.“

Ergebnisse zum Spannungsfeld „Disposition”

Jenseits der widersprüchlichen Bedürfnisse hinsichtlich der aktiven Veröffentlichung von Studienergebnissen hindert ein weiterer grundlegender Konflikt die Marktforschungsbranche an einem konstruktiven Austausch.

Offene, ehrliche Meinungen und bewusst provokante Thesen findet man im deutschsprachigen Netz sehr selten. Einer der wichtigsten Gründe für diesen Trend ist die vermeintliche Furcht vor negativen Konsequenzen durch den Arbeitgeber. Die Meinung dominiert, dass es als Mitarbeiter einer seriösen Firma oder eines seriösen Instituts nicht angebracht ist, provokante Thesen über die Zukunft der Marktforschung aufzustellen oder zu kommentieren. Schließlich habe man nach außen hinter einer Firmenphilosophie zu stehen.

Dieser Effekt tritt umso stärker auf, je mehr Mitarbeiter der Arbeitgeber hat, und – bei den Institutsmarktforschern – je stärker die inhaltliche Funktion mit dem Bereich Vertrieb verknüpft ist.

Eine weitere Erklärung dafür, dass fast keiner der Befragten selbst aktiv am Wissensaustausch im web 2.0 teilnimmt, also Artikel, Meinungen und Veröffentlichungen kommentiert, in Foren veröffentlicht und in den thematischen Gruppen der sozialen Netzwerke aktiv partizipiert, liegt darin begründet, dass man einen offiziellen Auftrag, eine Arbeitsanweisung von der Führungsebene vermisst, dieses zu tun. Vor allem betriebliche Marktforscher weisen hier starke Barrieren auf. Es herrscht eher die Einstellung „Ich muss nehmen ohne zu geben“.
Die Bereitschaft, eine aktive Rolle im Austausch anzunehmen, ist für die meisten sehr schwach ausgeprägt.

„Als Head of Product kann ich es mir nur selten leisten im Netz die Wahrheit zu sagen. Schließlich vertrete ich eine Firma und ein Produkt. Wie sieht das denn aus, wenn der Produktmanager sich zu negativ oder zu provokant äußert?“

„Für das Kommentieren von Blogs oder fürs Twittern werde ich hier nicht bezahlt“.

Ergebnisse zum Spannungsfeld „Role”

Aufgrund der Neuartigkeit und der rasanten Geschwindigkeit von Entwicklungen in der Relevanz von Social Media für die Marktforschung haben sich noch keine eindeutigen und vorgefertigten Rollenmuster herausbilden können.

Betriebliche Marktforscher sehen für Vernetzungsaktivitäten im Internet kaum eine Rolle in ihrem Berufskosmos. Sie setzen für den Austausch, Diskussionen und Anregungen auf das real existierende Netzwerk aus dem Kollegenkreis. Sie verfügen darüber hinaus über eine Vielzahl alternativer Quellen, wie z.B. hauseigene Bibliotheken, Services von Instituten und Kooperationen mit Hochschulen.

Ähnliches ist bei den Marktforschern in großen Instituten zu beobachten, die aufgrund der Struktur ihres Arbeitgebers per se über ein großes real existierendes Netzwerk verfügen. Beide Zielgruppen haben eine ausgesprochene Angst davor, als „Profilneurotiker“ zu gelten, wenn sie sich durch häufiges Posten und Kommentieren im Netz sichtbar machen.

Eine Möglichkeit, die hilft, diese Barrieren der Teilnahmebereitschaft zu umgehen, wird in der Anonymisierung der eigenen Identität gesehen. So würden aus Sicht der Befragten die Risiken negativer Sanktionen durch den Arbeitgeber minimiert

Dagegen steht jedoch das Bedürfnis von den eigenen Beiträgen, Kommentaren und geäußerten Meinungen im Hinblick auf Geschäftsentwicklung und / oder eigener Karriere zu profitieren. Hier wäre Anonymität kontraproduktiv. Dies trifft vor allem auf die Vertreter von kleineren und spezialisierten Marktforschungsdienstleistern zu.

Die Beurteilung der Erfolgschancen eines Engagements im web 2.0 bezogen auf Marktforschung ist abhängig von der Unternehmensgröße: Je kleiner und spezialisierter ein Unternehmen ist, desto stärker spielen Motive der Selbstvermarktung eine Rolle. Kleinere Player entdecken die Chancen, die ihnen das Internet – und vor allem die sozialen Netzwerke und Blogging-Dienste -bietet, sich mit anderen zu vernetzen und zu profilieren, und so den größeren Institute etwas entgegen zu setzen. Sie versuchen diese Chancen zur Erweiterung des eigenen Geschäfts zu nutzen. Dies wird in der Regel durch das Führen und Bestücken eines eigenen Blogs umgesetzt, die Nutzung des Micro-Blogging Diensts Twitter und weit verzweigtes Kommentieren von anderen Blogartikeln bzw. von Gruppenbeiträgen auf business-orientierten sozialen Netzwerken wie, Xing oder LinkedIn.

Diese Selbstvermarktung wird dann problematisch, wenn sie als solche allzu deutlich in den Vordergrund tritt. Denn das Bedürfnis der Suchenden – v.a. das der potenziellen Kunden – im Netz ist weniger ausgerichtet auf Informationen über Anbieter, sondern stärker auf das Bedürfniscluster „Vermehren von Wissen“ und „Inspiration“.

Die Selbstvermarktung mit bestimmten Spezialisten-Themen hat jedoch auch noch andere Grenzen bzw. bringt noch weitere Befürchtungen hervor: Bei einer thematischen Spezialisierung plus der Verbreitung von bestimmten Themen im web 2.0 wird eine unerwünschte Stigmatisierung befürchtet. Das ist umso wahrscheinlicher, je kontroverser und provokanter die Themen sind, die von dem jeweiligen Player vorangetrieben werden.

Auf der anderen Seite sehen aber auch einige Institutsmarktforscher und v.a. Marketeers durchaus die Chancen und Möglichkeiten, sich durch die kontroverse Darstellung interessanter Inhalte an die Spitze eines Trends zu setzen. Auch wenn bei den meisten die Barrieren zu hoch sind, werden solchen Playern ihr Engagement als „First Mover“ und Impulsgeber der Branche hoch angerechnet.

„Wenn man da anonym wäre, dann würde ich auch etwas schreiben…“

„Anonymität ist eigentlich nicht sinnvoll, wenn man selber was schreibt, man will ja, dass die Leute auf einen aufmerksam werden und die Verbindung zu meiner Firma herstellen.“

“web 2.0 ist schon modern, und Anbieter, die sich da heraustun, die werden dann auch als modern wahrgenommen…“

Ergebnisse zum Spannungsfeld „Trial“

Aus Sicht des Marketings ist es hochgradig erwünscht, dass die Marktforschung mit den Erfahrungen im Bereich Social Media von Marketing aufschließt oder zumindest aufholt. Marktforschungsanbieter, welche die Möglichkeiten vom web 2.0 für die Marktforschung testen, und erste Produkte z.B. im Bereich Social Media Monitoring entwickeln, werden von Marketing Managern positiv bewertet.

Auf der anderen Seite bestehen aber auch große Zweifel an der Fähigkeit zur Transformation und Entwicklung der als konservativ angesehenen Marktforschungsbranche.

Innerhalb der Zielgruppe der Institutsmarktforscher herrscht eine gewisse Unsicherheit bezüglich des Ausprobierens von Social Media. Zwar sind viele aufgrund von privater Nutzung in der Lage die Plattformen zu bedienen, die Nutzung für berufliche Belange scheitert jedoch oft an der Vorstellung, die Zeit reiche nicht bzw. der Aufwand sei zu groß, um den persönlich angelegten Qualitätsansprüchen für die eigenen Beiträge gerecht zu werden.

Vor allem die kleineren Institute erkennen jedoch, dass ein Engagement im social web über einen gewissen Zeitraum Geschäftschancen eröffnet, internationale Beispiele sind durchaus bekannt und werden mit großen Hoffnungen, und auch einem gewissen Neid betrachtet.

Die Gründe der betrieblichen Marktforscher gegen das Ausprobieren von eigenen Business-Social-Web Aktivitäten sind aus deren Sicht universell. Die meisten glauben, einen ausgefeilten strukturellen Ansatz inklusive Gesamt-Konzept zu benötigen. Da sich das web 2.0 jedoch permanent rasant ändert, ist ein solcher Ansatz wenig produktiv, da die Konzepte permanent überarbeitet werden müssten. Ein weiterer Teil ist noch nicht überzeugt, dass das Thema Social Media im Allgemeinen und in seiner Bedeutung für die Marktforschung eine Rolle spielt. Die Gefahr, dass Social Media Monitoring Produkte eine Bedrohung für die klassische Marktforschung darstellen könnte, wird unter Hinweis auf den noch unklaren Nutzen bisher weit von sich gewiesen.

“das ist schon richtig und wichtig, dass sich die Marktforschung – genau wie das Marekting – auch mit dem web 2.0 beschäftigt…“

„Marktforschung ist eben wie die Marktforschung ist, das wird noch dauern, bis da relevante Impulse entstehen…“

Ergebnisse zum Spannungsfeld „Value“

Das fünfte Spannungsverhältnis zeigt unterschiedliche Einstellungen und Wahrnehmungen des Stellenwerts von Social Media insgesamt und speziell für die Marktforschung zwischen den einzelnen Zielgruppen.

Erneut zeigt sich die betriebliche Marktforschung am weitesten von einem integrierten Blick auf die beiden Welten (Social Media) Marketing und Marktforschung entfernt. Die hohen Barrieren in dieser Zielgruppe hängen eng mit der strikten Aufrechterhaltung einer Trennung der Disziplinen einher: Man will klassische Marktforschung nicht „in einen Topf geworfen“ sehen, mit Social Media Monitoring Oft herrscht sogar die Ansicht, dass man nur mit klassischer Marktforschung „richtige“ Ergebnisse erzielen könnte. Ob es sich hier um eine generell defensive Abwehrhaltung handelt, muss in Folgestudien genau geprüft und untersucht werden.

Institutsmarktforscher scheuen im Moment noch zu sehr den eigenen Einsatz, da Ihnen vor allem der Return noch nicht sicher genug ist. Wie beschrieben gibt es vor allem für diese Zielgruppe sehr widersprüchliche Bedürfnisse (z.B. Anonymität vs. Selbstdarstellung). Dieser Widerspruch äußert sich in Zurückhaltung. Man wartet erst noch die weiteren Entwicklungen ab. Das Risiko etwas Falsches zu tun wird als größer wahrgenommen als die Chance neue Entwicklungen voranzutreiben.

Einzig die Marketing Manager weisen dem Bereich Social Media für die Marktforschung einen hohen Stellenwert zu.
Das Marketing sieht sich in der Entwicklung der Marktforschung zeitlich vorgelagert. Das bedeutet, dass Trends, Phänomene und Entwicklungen aus dem Marketing zeitlich früher wirksam werden ,und erst im Anschluss auch auf die Marktforschung ausstrahlen. Das gilt auch für den Bereich Social Media.

In den Anfängen des Hype Cycles von Social Media waren vor aus Marketingsicht allem solche Player wichtig, die Awareness für das Thema web 2.0 unter Marketinggesichtspunkten geschaffen haben. An ihre Stelle sind die Praktiker getreten, die weniger aufmerksamkeitsstark mit der Umsetzung von Social Media Marketing begonnen haben und soziale Netzwerke wie selbstverständlich in das gesamte Marketing integrieren.

Vor allem für die kleineren Dienstleister liegt in der Vernetzung eine Chance entgegen den Marktentwicklungen (Zusammenschluss von großen Full-Serivce-Dienstleistern) eine unabhängige und eigenständige Position zu vertreten.

„Es wird immer eine Trennung zwischen klassischer Marktforschung und Monitoring geben.“

„Die meisten Anbieter wissen doch gar nicht, was sie messen. Methodisch ist da vieles nicht haltbar“

„Für die ist es Primär-Marktforschung, aber für uns ist es im Grunde doch nur Desk Research“

Der Siegeszug der Marktforschungs-Communities – was bedeutet er für die klassische Marktforschung?

Über Marktforschungs-Communities oder MROCs (Market Research Communities), wie sie im angloamerikanischen Sprachraum genannt werden, wird derzeit viel geschrieben und gesprochen.

MROCs werden die Welt der qualitativen Marktforschung schockieren. Sie liefern billigere, schnellere und neuere Arten von Insights, welche die heutigen traditionellen qualitativen Methoden nicht liefern …“

Worum geht es?

Das obige Zitat stammt von Brad Bortner, Forrester Research, es ist aus dem Vorwort zu seinem Bericht „Will Web 2.0 Transform Market Research?“ (vom April 2008).

In Deutschland lächelt man gerne über diese amerikanische Art der plakativen Darstellung. Und wie unsere Studie über das web-2.0-Verhalten der deutschen Marktforschungsszene gezeigt hat, denken viele Forscher, dass die traditionellen Methoden gleichsam unsterblich sind, während man in der angloamerikanischen Welt gerne ihren Abgesang anstimmt.

Wer wird am Ende Recht behalten? Das Social Web ändert sich rasch, 2 Jahre sind dort eine lange Zeit. Grund genug, sich das Thema MROCs einmal wieder genauer zu betrachten.

Vielleicht überlegt auch Ihre Firma eine MROC zu installieren oder den Aufbau von MROC’s anzubieten?

Brad Bortner spricht in seinem Vorwort von der Zeit, wenn die Community aufgebaut ist, und ihren vollen Nutzen entfaltet.
Der Aufbau selbst ist jedoch mit erheblichen Investitionen verbunden. Von daher lohnt es sich, die Pro’s & Con’s einmal genauer zu betrachten.
Was ist denn überhaupt eine Market Research Community und wozu kann / sollte man sie nutzen?
Zunächst einige Informationen zur Begriffsklärung. Tom H.C. Anderson, Begründer der Next Gen Market Research Gruppe, fragt in einem Interview – aus meiner Sicht zu Recht – ketzerisch: „Warum sollten wir auf einmal Panels „Communities“ nennen?“

Im Netz wird heftig über die Begriffe MROC, Panel, EFM (Enterprise Feedback Management) diskutiert, darüber, ob MROC’s quantitativ und / oder qualitativ seien und was sie eigentlich von Panels unterscheidet.

Diese Diskussion ist noch lange nicht abgeschlossen, hier ein Überblick über das „Community Universum“, wie wir es heute kennen:

„Community Universum“

Community Universum und die Rolle von MROCs (klicken zum Vergrößern)

Lohnt sich die Investition in MROC’s?

Jeffrey Hennings, Betreiber des für Marktforscher äußerst ergiebigen Vovici-Blogs , gibt uns seine Top 10 Gründe, in 2010 eine MROC zu gründen:

1. Kanalisierung von Konsumenten-Feedback, das ohne Community unkontrolliert im Netz zirkuliert
2. Positive Effekte auf die Kundenloyalität (Studie von The Deloitte and Beeline Labs 2009 Tribalization of Business Survey)
3. Erhöhung der Neugeschäftschancen wegen besserer Suchmaschinen-Auffindbarkeit durch viele Community-Beiträge
4. Verkürzen des traditionellen Rückmeldungs-Prozesses, schnellere Reaktion auf Kundenwünsche möglich.
5. Mehr Mafo-Projekte in kürzerer Zeit als traditionell („thousands of surveys“)
6. Sensibilisierung der Mitarbeiter für Kundenbedürfnisse durch direkteren Zugang zu Kundenfeedback
7. Geringere Investitionen als bei traditionellem Research.
8. Quantifizierung qualitativer Ergebnisse nahtlos möglich
9. Wettbewerbsvorteile durch Implementierung von Innovations-Prozessen, die aus der Community gespeist werden.
10. Wer nicht JETZT die Kunden für die MROC gewinnt, verliert sie vielleicht an einen anderen Community-Betreiber.

Aber ist alles Gold, was da glänzt?

Genau an letzten Punkt von Jeffrey Hennings setzt Tom Ewing, Marktforscher bei Kantar Research London, mit seiner jüngsten Kritik an, indem er sagt:

„Die Marktforscher sind schließlich aufgewacht bezüglich der Tatsache, dass Sie in Konkurrenz zu Facebook, Twitter & anderen Communities stehen, wenn es um die Zeit der Probanden geht, und ihre Bereitschaft an Befragungen teilzunehmen. …

Der lineare, einseitige Research stößt schnell an seine Grenzen, wie das z.B. auch lineare Video-Spiele getan haben, als virtuelle Welten aufkamen. …

Wir müssen Welten erschaffen, die nicht nur ein low-budget-Abklatsch von etwas sind, was das Internet heute schon bietet.“

Natürlich steckt auch in den anderen 9 Gründen reichlich Kritikpotenzial, aber Tom Ewing legt hier den Finger in die am meisten schmerzende Wunde: Schon heute sind die Zerstreuungsmöglichkeiten im Netz so zahlreich, dass einige überforderte Konsumenten mit Rückzug reagieren.

Wie wird es weiter gehen?

Auch in Deutschland gewinnt das Thema Marktforschungs-Communities an Bedeutung. Die Firma Globalpark geht z.B. sehr offensiv in den Markt und hat bereits für namhafte Kunden wie Nintendo, Warner Music und andere den Panelaufbau begonnen.
Der Stern-Verlag versucht mit seiner Neonauten-Plattform die junge, attraktive Trendsetter-Generation der NEON-Leser abzubilden.

Aus meiner Sicht stellen sich für die Zukunft folgende Fragen:

  • Wenn große Unternehmen eigene Communities unterhalten – wie viel adhoc-Research benötigen sie dann in Zukunft noch zusätzlich?
  • Wenn die Kunde großer Unternehmen sich gerne auf diesen Plattformen aufhalten und Fragen beantworten – wie viel Zeit bleibt ihnen dann noch zum Beantworten von telefonischen oder persönlichen Befragungen?
  • An welchen Stellen im Prozess wird der Marktforscher einbezogen bzw. an welchen Stellen muss er sich aktiv einbringen? Wie kann er die Einhaltung von Qualitätsstandards sichern?
  • Wie verändert sich in diesem Szenario seine Rolle? Wird er zum Community-Unterhalter, zum Felddienstleister oder zum Community Information Manager?
  • Gerade der letzte Punkt scheint mir sehr wichtig: Wer kümmert sich um die Implementierung von Systemen, welche die erhobenen Daten aus den Communities in der Unternehmung übergreifend nutzbar machen?

    „Das Problem ist nicht die Innovation in der Marktforschung, das Problem heißt Implementierung. Die Leute sind nur zu glücklich, die neuesten Trends auszuprobieren. Aber die Ideen in die Praxis umzusetzen und in die laufende Arbeit zu integrieren – das ist das Problem.“ Tom Ewing

    Was ist Ihre Meinung zum Thema MROC’s? Sind sie in diesem Bereich aktiv oder planen Sie es zu werden? Was sind aus Ihrer Sicht Vorteile und Nachteile des Vorgehens? Wir freuen uns auf Ihr FEEDBACK!

    Blogs zum Thema (dort finden Sie auch weiterführende Literaturhinweise und Diskussionen):

    Communispace, a blog from leaders in communities, edited by a team including Diane Hessan
    Forrester, Forrester host a blog specifically for ‘Consumer Market Research Professionals’ which can be filtered by the term MROC, edited by a team including Tamara Barber
    FreshNetworks, a blog focused on communities and Web 2.0, edited by a team including Matt Rhodes
    InSites Consulting, leading edge MR from Belgium, edited by a team including Anke Moerdyck
    PluggedIn, subtitled ‘About MROC Talk’, edited by Matt Foley and Ben Werzinger
    Virtual Surveys, a general online research and communities blog, edited by a team including Paul Child
    Vovici, a blog about online and NewMR topics, edited by prolific blogger Jeffrey Henning

    Die alte Schule der Markenberatung weiß auch nicht so genau…

    Die Tage bin ich über diese PR-Studie von Musiol Munzinger Sasserath gestolpert. Hierbei geht es um eine zeitlich begrenzte Untersuchung der Facebook-Aktivitäten relevanter TV-Marken.

    Neben ein bisschen deskriptiver Beschreibung der Markenpräsenzen in Facebook (z.B. Alter der Präsenz), finde ich die Aufteilung der Marken in die Vier-Felder-Matrix ganz interessant.

    Die Autoren unterscheiden in “Passive Brands”, “Sender Brads”, “Host Brands” und “Friend Brands”. Dabei sind die “Friend Brands” diejenigen, bei denen die Interaktion ernst gemeint ist, wo die Möglichkeit des Kontaktes und de Dialogs ausgeschöpft werden und die Rollenaufgaben der Marke als zuhören, fragen, antworten und interagieren festgelegt sind. Der User wird als Partner geschätzt und ernst genommen.

    Meine Hypothese wäre war, dass die Friend Brands am stärksten vertreten sind und auch den größten Zuwachs im Hinblick auf “Fans” haben. Aber das ist nicht der Fall. In Deutschland sind ungefähr 25% der Marken, die auf Facebook präsent sind, “Friend Brands” (z.B. Lindt, FIAT). Und der Fanzuwachs lag (im Messzeitraum) bei 2,0% auf dem niedrigsten Niveau der vier Typen. Zwar liegt die Interaktionsrate mit 4,3% auf hohem Niveau, aber “Host Brands”, die Content und Input über verschiedene Reiter anbieten, aber die Interaktion der Fans nicht weiter anregt und auf ein gemeinsames “Like” beschränken, ist deutlich höher (5,5%).

    Was bedeutet das?

    Vielleicht, dass bekannte Marlen wie BMW oder Bitburger auf Facebook weniger investieren müssen und deswegen ein Marken-Hosting bei Facebook ausreicht?
    Oder, dass klassische TV Marken wie Deutsche Telekom oder Targobank ihrem Sendungsbewusstsein auch im Internet treu bleiben?
    Oder, dass ein hoher Facebook-Aufwand bei der Interaktion in keinem guten Verhältnis zum Facebook-Ertrag steht?