Qualitative Online Forschung – Wachstum vs. Wildwuchs – Gastbeitrag von Saskia Kettner, qualitative Marktforscherin

Nach der guten Diskussion zu dem Thema, wie wir mit unserem Fachnachwuchsumgehen und umgehen sollten, möchten wir heute einen weiteren Gastbeitrag veröffentlichen.

Saskia Kettner, qualitative Marktforscherin, schreibt über Wachstum und Wildwuchs, eine sehr gelungene Bestandsaufnahme und treffende Diagnose so mancher Realitäten, mit denen wir uns “da draußen” auseinandersetzen müssen. Ein echt toller Beitrag mit der nötigen “Wut im Bauch”.

Und wie immer, viel Spaß beim Lesen.

Qualitative Online Forschung – Wachstum vs. Wildwuchs
In zahlreichen Instituten wachsen neuerdings Units, Departments oder schlicht Abteilungen für qualitative Online-Forschung. Seien es Blogstudien, Consumer-Communities oder Forumsforschung – Hauptsache man geht online. Da werden mal schnell ein paar Probanden durch einen Online-Fragebogen geschickt oder ein bisschen online diskutiert und schwupps haben wir eine neue Insight Community aufgesetzt. So einfach und schnell geht das! Da freuen sich Forscher und Kunde. Aber nicht lange. Denn früher oder später wird die Sehnsucht nach echten Erkenntnissen wieder größer werden als die Methodenverliebtheit es momentan ist. Hoffentlich. Im momentanen Hype bleibt leider etwas auf der Strecke… echte Erkenntnisse und Einblicke. Ich nehme eine große Heckenschere und schneide ein paar Triebe vom Wildwuchs ab…..

Schnapp: “Unser Offline-Moderator kann locker auch Ihr 4-wöchiges Online-Projekt leiten. Nein, direkte Erfahrungen hat er nicht. Warum?”
Schnipp: “Für die Teilnehmer nehmen wir einfach die Facebook-Freunde, die sind ja internetaffin!”
Schnapp: “Unser Praktikant ist bei Facebook, der kann Sie methodisch bestens beraten.”
Schnapp: “Wir schalten das Forum abends und am Wochenende immer ab. Die Leute können dann ja auch am Montag ihre Eindrücke posten.”
Schnipp: “Die Probanden sollten auf alle Fälle unter ihrem Klarnamen diskutieren, das erhöht die Verbindlichkeit. Was meinen Sie mit jetzt mit Datenschutz?”

Angesichts dieser und ähnlicher Aussagen von Experten der qualitativen Online-Forschung bleibt nur ein Schluss: Wir brauchen dringend Qualitätsstandards. Und ausreichend Weiterbildungsangebote für die Kollegen.
Doch momentan sehen wir nicht nur Wildwuchs, sondern auch wunderschönes gesundes Wachstum. Kreative Methoden mit sorgfältig rekrutierten Probanden online umgesetzt. Eine Freude für das Forscherherz. In der qualitativen Online-Forschung können wir alle unseren Spieltrieb voll ausleben. Neue Methoden ausprobieren und ausdenken. Lasst uns alle zusammen auf die junge Pflanze Online-Forschung aufpassen. Regelmäßig mit frischen Ideen gießen, ab und an neuen Technik-Dünger verwenden, Wassertriebe abschneiden und eine kleine Qualitäts-Stange zum Hochranken anbieten. Dann können wir uns alle an einer reichen Insight-Ernte erfreuen!

Brauchen wir überhaupt noch analoge qualitative Forschung?

1. Warum es notwendig ist, die Frage zu stellen
Auf der Research & Results 2011 wurden die Glücklichen und die Unglücklichen gezählt.
Am Messestand eines großen Instituts war eine Kamera angebracht, welche die Vorübergehenden erfasste und klassifizierte. Auf einer Leinwand konnte man als Besucher die Ergebnisse ablesen…
… wie viele Frauen, wie viele Männer am Stand vorbei gekommen waren,
… wie alt diese Personen schätzungsweise waren,
… und: wie ihre Stimmung war.

Gemessen nach weltweit gültigen Mimik-Standards konnten wir sehen, wie viele Glückliche, wie viele Unglückliche, wie viele Erstaunte, wie viele Neutrale vorbei kamen.

Schlagartig wurde mir wieder bewusst, wie weit wir schon gekommen sind, mit unserem Drang zur Technisierung, Automatisierung und Virtualisierung der Marktforschung – und dass dieser Drang auch vor qualitativen Methoden nicht halt macht.

Schauen wir uns dieses Bedürfnis nach Digitalisierung – im weitesten Sinne – bezüglich der Marktforschung einmal etwas genauer an:

Primär werden natürlich die üblichen Gründe angeführt: Schneller gehen soll es, und kostengünstiger soll es auch werden, weil der Studio-Aufwand entfällt.
Als qualitative Forscherin gebe ich mich natürlich mit einer so offensichtlich-pragmatischen Antwort nicht zufrieden. Denn wir alle wissen, dass eingesparte Zeit mittelfristig durch höhere Schnelligkeitsanforderungen genauso aufgefressen wird, wie eingesparte Studio-Euro durch Verfeinerung der Online-Befragungs-Systeme.

2. Was qualitative Forschung in die digitale Welt treibt
Welche Motivationen könnte es also noch geben?

A. Verlangen nach „wissenschaftlich-objektiver“ Information.
Eine Studie des AKQua (BVM-Arbeitskreis für qualitative Forschung) in Zusammenarbeit mit der FH in Pforzheim hat ergeben, dass die qualitative Marktforschung häufig immer noch als Black Box gilt, als undurchsichtige Mauschelei, bei der willkürlich geäußerte Kundenaussagen auf nicht nachvollziehbare Weise zu “Insights” verarbeitet werden.
Was aber könnte objektiver sein als das unemotionale, weil technische Auge der Kamera in Verbindung mit international standardisierten Emotionen?!

B. Ordnung im Gefühls-Chaos
Die Beweggründe der Verbraucher für Sympathie, für Informationsbereitschaft, zum Kauf, etc. sind in ein chaotisches Knäuel unterschiedlichster und teilweise arg widersprüchlicher

http://denkimpuls.com/was-ist-neuromarketing-4

Emotionen verwickelt. Wie erkläre ich dem Marketing-Manager hinter der Scheibe, dass auch Fans seines Produkts nicht die Inhaltsangaben lesen oder dass jemand nicht lügt, wenn er behauptet, immer auf den Preis zu achten, aber bei der Allianz seine Versicherungen abgeschlossen hat?

Neuromarketing-Ansätze z.B. sind hier klar im Vorteil, sie zeigen ein eindeutiges und scharf umrissenes Areal im Hirn, sobald das geliebte Produkt gezeigt wird.

C. Zurückerobern des eigenen Einflusses
Die Gruppendiskussion galoppiert dahin … Da! Ein interessantes Statement über mein Produkt, aber schon ist die Gruppe beim nächsten Thema – bis ich den reitenden Boten mit dem Zettel nach vorne geschickt habe, ist die Nachfrage ohne Dynamikverluste nicht mehr einzubauen. Wer kennt diese missliche Situation als GD-Beobachter nicht auch?

So schön es ist, neutral hinter der großen Scheibe zu sitzen, so hilflos ausgeliefert fühlt man sich dort manchmal auch. Vielleicht ist das auch der wahre Grund für die berüchtigte GD-Beobachtungs-Müdigkeit, nicht Dunkelheit und Sauerstoffmangel …
Auch frustrierend – wenn die Gruppe geschlossen das wunderschöne Grün ablehnt, man aber keine Alternative in Lila dabei hat.

Wie schön ist es dagegen bei synchronen online-Gruppen mit dem Moderator im Kundenraum zu „tuscheln“ und bei asynchronen einen Tag später Alternativen nachschieben zu können!

3. Was aus der digitalen Welt auf unsere qualitative Forschung zukommt
Am Rande dieses Problemfeldes warten auf uns noch zusätzlich

  • Blog- und Social-Web-Analysen mit dem „unverfälschten“ Feedback „echter“ Verbraucher,
  • Web-Welt-Weite Inhaltsanalysen mit Google-Searchtools, die semi-qualitative, voranalysierte Aussagen zu (fast) jedem beliebigen Thema liefern,
  • und Fan-Communities wie Last.fm, Runnersworld oder Chefkoch.de, in denen echte Fans eines Themas ihre Ansichten, Einsichten und Vorurteile mit aller Welt und dem Marketer teilen.

4. Warum es trotzdem immer analoge qualitative Forschung geben wird
Die Probleme beobachtender Forschung im Netz wurden an anderen Stellen bereits hinreichend erörtert, z.B.: Woher weiß das Analyseprogramm ob mit „eine Bank“ eine Sitzgelegenheit im Park oder ein Geldinstitut gemeint ist? Schreibt hier der Fan oder die Webagentur des Fanartikel-Anbieters? Wem gehört der Content? etc.
Aber auch das aktive qualitative Fragen birgt im Netz Fallen, die uns doch immer wieder zu einer Validierung in der Realwelt zurück bringen:

  • Die sterile Harmonie vieler hochgeladener Fotos am Bulletin Board der Marketing Research Online Community (MROC) ist genauso wenig erhellend, wie die schockierende Offenheit, die manche Teilnehmer im Schatten der Netz-Anonymität entwickeln – beide verschleiern den Kern des Problems, das der Verbraucher mit der Produktkategorie und / oder der Marke hat.
  • Die ausgefeiltesten Emoticons dieser Welt können nicht annähernd so viel Information transportieren, wie ein reales Lächeln, das plötzlich aus einem Probanden herausbricht oder eine von Ekel gerümpfte Nase – denn einige Dinge werden dem Netz noch lange verschlossen bleiben: Persönliche Ausstrahlung, physische Dynamik, Gerüche, Haptik, etc.
  • Und solange wir nicht ausschließlich offline rekrutieren, ist kein Forscher davor gefeit, sich mit künstlichen Identitäten zu unterhalten, die das Thema gar nicht interessiert, aber umso mehr das Incentive oder das „Trollen“ in der Research-Community.

Die erfrischende Normalität der realen Verbraucher, die nicht – unsichtbar für den Forscher – schnell noch was zur gestellten Frage googlen oder an ihrem Hochglanz-Avatar polieren, wird sich also bei vielen Themen als die bessere Informationsquelle erweisen.
Und deshalb sind wir optimistisch, dass wir unsere Forschertage nicht einsam hinter dem Bildschirm beschließen müssen, umgeben nur von virtuellen Probanden, die uns mit Web-Inhalten statt mit ihrem Erleben füttern.Sondern wir werden weiterhin die Studios, Heime und Büros besuchen, mit lebenden Menschen sprechen, ihre Mimik beobachten und an schwierigen Stellen herumbohren, ohne dass der Proband in die Weiten des Netzes flüchten kann.

Bis eine anschauliche, lebensnahe und handlungsrelevante Analyse auf dem Tisch liegt!

End of the rise of social media? What about social media research?

Social media is still on the rise. Large networks, especially Facebook, increase not only their reach, most users use the site also more intense the longer they are members. These are findings from a recent research report by Gartner. But the report shows more: 

Gartner surveyed 6.295 people aged 13-74 in eleven different marketsbetween December 2010 and January 2011 .37 percent of respondents - most of them from young target groups - stated that they use their favorite social network more intense than at the beginning of their membership.

However, in some markets there seems to be an end of the rise of social media usage among consumers. Nevertheless, 24 percent said that the intensity of usage has decreased.

The markets where the users are more engaged with social media include, among others, South Korea and Italy, while the users in Brazil and Russia are tending to be less on the social web. The most important argument for reduced use: data protection and privacy.

What does this mean for Social Media Research? 

The same as for Social Media Marketing. That’s easy enough…

It isn’t enough to have a survey or even a poll on Facebook. That’s not how it works. We need innovation, we need inspiration. And we need to know the users of social networks annd their behaviour before we can survey than. Actuality is king as well keeping the attention high in order to use the very short attetion span in social networks. Tht btw is to my point of view one of the omst important reasons why gamification is more than a buzzword in recent times. 

So let’s get creative, and start by attending The Market Research Event 2011 in Florida, hosted by IIRUSA

Diaries – the right method for the right purpose

Diaries have traditionally taken a major role in the qualitative research and have their place in the modern canon of methods. They offer an authentic view in consumers’ everyday life and give room for participants’ creative self-expression. More and more they are used as a kind of pre-task ahead of qualitative methods, used to stimulate participants to deal with the research subject in the run-up and to gather initial findings for the design of the survey situation (e.g. design of the discussion room, fine-tuning of the guideline …).

Diaries, online, paper-pencil or mobileTechnological progress and the opportunities it creates for market research have particular impact on this method. Several years ago the method of keeping diaries had to be carried out as paper-and-pencil. Over the past years it has diversified and now offers plenty of different varieties.

In addition to the traditional paper-and-pencil method, participants are increasingly encouraged to keep mobile or online diaries.

So when to use what?

Rules of thumb are a little flat. Neither is paper-and-pencil completely out of fashion nor is it necessary to go all the way mobile. As so often, it depends…

Depending on the research objectives, different methods for using diaries are useful and others are not.

When it comes to mobile usage of diaries, because notes about emotions and activities on the go should be recorded, flexibility and simplicity is important. On these dimensions paper-and-pencil executions as well mobile diaries offer more benefits than online, because both smart-phone and offline diary can be carried around easily and flexible.

In specific settings, for example where drawings of the participants are important, or where own handwriting is essential, because deeper reflection is necessary, there is no alternative to paper-pencil notes. In particular, the online and mobile versions are somewhat limited when it comes to expressing the own creativity. The technological development indeed evolves rapidly. But currently internet technology is not equal to creative possibilities of offline diaries yet.

A huge advantage of online diaries is the possible integration of audio-visual elements such as photos, videos and audio files. These elements can serve as a support of the written word. Furthermore it is much easier to process participants’ input via online, no shipping, transcription or scanning needed. And the researchers themselves are able to follow the process in real time and so are able to give feedback on specific aspects while participants are keeping their notes.

Nevertheless it is quite important to be clear about the question in which environments the records will be used. For the implementation of workshop formats creatively-made paper-pencil diaries are significantly better suitable than mobile diaries. Online diaries are constantly improving, mainly because videos deliver unique insights into the reality of life and emotions of the participants.

“The Market Research Event 2011″ im November in Orlando, Florida, hosted by IIR USA, deals with the topics “Online Research” and “Mobile Research” (among others). I’m curious what they will tell us about diaries.

Photo by Josh DiMauro: http://www.flickr.com/photos/jazzmasterson/278672397/

Der Siegeszug der Marktforschungs-Communities – was bedeutet er für die klassische Marktforschung?

Über Marktforschungs-Communities oder MROCs (Market Research Communities), wie sie im angloamerikanischen Sprachraum genannt werden, wird derzeit viel geschrieben und gesprochen.

MROCs werden die Welt der qualitativen Marktforschung schockieren. Sie liefern billigere, schnellere und neuere Arten von Insights, welche die heutigen traditionellen qualitativen Methoden nicht liefern …“

Worum geht es?

Das obige Zitat stammt von Brad Bortner, Forrester Research, es ist aus dem Vorwort zu seinem Bericht „Will Web 2.0 Transform Market Research?“ (vom April 2008).

In Deutschland lächelt man gerne über diese amerikanische Art der plakativen Darstellung. Und wie unsere Studie über das web-2.0-Verhalten der deutschen Marktforschungsszene gezeigt hat, denken viele Forscher, dass die traditionellen Methoden gleichsam unsterblich sind, während man in der angloamerikanischen Welt gerne ihren Abgesang anstimmt.

Wer wird am Ende Recht behalten? Das Social Web ändert sich rasch, 2 Jahre sind dort eine lange Zeit. Grund genug, sich das Thema MROCs einmal wieder genauer zu betrachten.

Vielleicht überlegt auch Ihre Firma eine MROC zu installieren oder den Aufbau von MROC’s anzubieten?

Brad Bortner spricht in seinem Vorwort von der Zeit, wenn die Community aufgebaut ist, und ihren vollen Nutzen entfaltet.
Der Aufbau selbst ist jedoch mit erheblichen Investitionen verbunden. Von daher lohnt es sich, die Pro’s & Con’s einmal genauer zu betrachten.
Was ist denn überhaupt eine Market Research Community und wozu kann / sollte man sie nutzen?
Zunächst einige Informationen zur Begriffsklärung. Tom H.C. Anderson, Begründer der Next Gen Market Research Gruppe, fragt in einem Interview – aus meiner Sicht zu Recht – ketzerisch: „Warum sollten wir auf einmal Panels „Communities“ nennen?“

Im Netz wird heftig über die Begriffe MROC, Panel, EFM (Enterprise Feedback Management) diskutiert, darüber, ob MROC’s quantitativ und / oder qualitativ seien und was sie eigentlich von Panels unterscheidet.

Diese Diskussion ist noch lange nicht abgeschlossen, hier ein Überblick über das „Community Universum“, wie wir es heute kennen:

„Community Universum“

Community Universum und die Rolle von MROCs (klicken zum Vergrößern)

Lohnt sich die Investition in MROC’s?

Jeffrey Hennings, Betreiber des für Marktforscher äußerst ergiebigen Vovici-Blogs , gibt uns seine Top 10 Gründe, in 2010 eine MROC zu gründen:

1. Kanalisierung von Konsumenten-Feedback, das ohne Community unkontrolliert im Netz zirkuliert
2. Positive Effekte auf die Kundenloyalität (Studie von The Deloitte and Beeline Labs 2009 Tribalization of Business Survey)
3. Erhöhung der Neugeschäftschancen wegen besserer Suchmaschinen-Auffindbarkeit durch viele Community-Beiträge
4. Verkürzen des traditionellen Rückmeldungs-Prozesses, schnellere Reaktion auf Kundenwünsche möglich.
5. Mehr Mafo-Projekte in kürzerer Zeit als traditionell („thousands of surveys“)
6. Sensibilisierung der Mitarbeiter für Kundenbedürfnisse durch direkteren Zugang zu Kundenfeedback
7. Geringere Investitionen als bei traditionellem Research.
8. Quantifizierung qualitativer Ergebnisse nahtlos möglich
9. Wettbewerbsvorteile durch Implementierung von Innovations-Prozessen, die aus der Community gespeist werden.
10. Wer nicht JETZT die Kunden für die MROC gewinnt, verliert sie vielleicht an einen anderen Community-Betreiber.

Aber ist alles Gold, was da glänzt?

Genau an letzten Punkt von Jeffrey Hennings setzt Tom Ewing, Marktforscher bei Kantar Research London, mit seiner jüngsten Kritik an, indem er sagt:

„Die Marktforscher sind schließlich aufgewacht bezüglich der Tatsache, dass Sie in Konkurrenz zu Facebook, Twitter & anderen Communities stehen, wenn es um die Zeit der Probanden geht, und ihre Bereitschaft an Befragungen teilzunehmen. …

Der lineare, einseitige Research stößt schnell an seine Grenzen, wie das z.B. auch lineare Video-Spiele getan haben, als virtuelle Welten aufkamen. …

Wir müssen Welten erschaffen, die nicht nur ein low-budget-Abklatsch von etwas sind, was das Internet heute schon bietet.“

Natürlich steckt auch in den anderen 9 Gründen reichlich Kritikpotenzial, aber Tom Ewing legt hier den Finger in die am meisten schmerzende Wunde: Schon heute sind die Zerstreuungsmöglichkeiten im Netz so zahlreich, dass einige überforderte Konsumenten mit Rückzug reagieren.

Wie wird es weiter gehen?

Auch in Deutschland gewinnt das Thema Marktforschungs-Communities an Bedeutung. Die Firma Globalpark geht z.B. sehr offensiv in den Markt und hat bereits für namhafte Kunden wie Nintendo, Warner Music und andere den Panelaufbau begonnen.
Der Stern-Verlag versucht mit seiner Neonauten-Plattform die junge, attraktive Trendsetter-Generation der NEON-Leser abzubilden.

Aus meiner Sicht stellen sich für die Zukunft folgende Fragen:

  • Wenn große Unternehmen eigene Communities unterhalten – wie viel adhoc-Research benötigen sie dann in Zukunft noch zusätzlich?
  • Wenn die Kunde großer Unternehmen sich gerne auf diesen Plattformen aufhalten und Fragen beantworten – wie viel Zeit bleibt ihnen dann noch zum Beantworten von telefonischen oder persönlichen Befragungen?
  • An welchen Stellen im Prozess wird der Marktforscher einbezogen bzw. an welchen Stellen muss er sich aktiv einbringen? Wie kann er die Einhaltung von Qualitätsstandards sichern?
  • Wie verändert sich in diesem Szenario seine Rolle? Wird er zum Community-Unterhalter, zum Felddienstleister oder zum Community Information Manager?
  • Gerade der letzte Punkt scheint mir sehr wichtig: Wer kümmert sich um die Implementierung von Systemen, welche die erhobenen Daten aus den Communities in der Unternehmung übergreifend nutzbar machen?

    „Das Problem ist nicht die Innovation in der Marktforschung, das Problem heißt Implementierung. Die Leute sind nur zu glücklich, die neuesten Trends auszuprobieren. Aber die Ideen in die Praxis umzusetzen und in die laufende Arbeit zu integrieren – das ist das Problem.“ Tom Ewing

    Was ist Ihre Meinung zum Thema MROC’s? Sind sie in diesem Bereich aktiv oder planen Sie es zu werden? Was sind aus Ihrer Sicht Vorteile und Nachteile des Vorgehens? Wir freuen uns auf Ihr FEEDBACK!

    Blogs zum Thema (dort finden Sie auch weiterführende Literaturhinweise und Diskussionen):

    Communispace, a blog from leaders in communities, edited by a team including Diane Hessan
    Forrester, Forrester host a blog specifically for ‘Consumer Market Research Professionals’ which can be filtered by the term MROC, edited by a team including Tamara Barber
    FreshNetworks, a blog focused on communities and Web 2.0, edited by a team including Matt Rhodes
    InSites Consulting, leading edge MR from Belgium, edited by a team including Anke Moerdyck
    PluggedIn, subtitled ‘About MROC Talk’, edited by Matt Foley and Ben Werzinger
    Virtual Surveys, a general online research and communities blog, edited by a team including Paul Child
    Vovici, a blog about online and NewMR topics, edited by prolific blogger Jeffrey Henning

    Mal wieder eine schöne Infografik

    Ist jetzt schon ein bisschen älter und die einzelnen Zahlen spielen auch keine große Rolle (außer natürlich der Anteil der 3-jährigen Twitternutzer…).
    Aber es ist eine sehr schöne Darreichung der Informationen.

    Na gut, ein Hinweis vielleicht doch: Laut den Zahlen haben ca. 80% der Twitternutzer maximal 9 Updates getweetet… Und ca. 65% der Nutzer haben weniger als 5 Follower.
    Und spätestens jetzt würde mich doch interessieren, woher die Daten genau kommen, und wer die zusätzlichen Mekrmale bei wem erhoben hat…

    Das Ende der Marktforschung 2029! Zu viel Phantasie oder ist da mehr dran?

    Anfang des Monats las ich hier einen interessanten Beitrag von Ted Morris (ein amerikanischer Markenexperte, dessen Name mir bislang nichts gesagt hat). Es geht dabei um die Zukunft der Marktforschung, wie die Marktforschung im Jahre 2029 aussehen kann.

    Ted Morris sieht ein Ende der Marktforschung, so wie sie jetzt besteht, innerhalb der nächsten 10 – 20 Jahre. Den Hauptgrund dafür sieht er darin, dass sich die Voraussetzungen für MaFo so schnell und drastisch verändern, die Branche darauf aber nur langsam reagiert.

    Interessant und sehr wichtig finde ich die Rolle, die er dem Bereich Marketing und Kommunikation zuweist. Nicht, dass ich dafür eintrete, dass „die Marktforschung“ alles so machen muss wie „die Werbung“. Aber ein wenig Orientierung für die Marktforschung geben Managemententscheidungen der Werbe-Netzwerk-CEOs doch, schließlich hängen auch wichtige Marktforschungsplayer in diesen Networks (z.B. WPP).

    Und noch aus einem anderen Grund wird es für die Marktforschung immer wichtiger die Entwicklungen der (Werbe-)Agenturlandschaft zu beobachten, denn schließlich sind sie entweder selbst Einkäufer und Nutzer von Marktforschungsleistungen oder ebenfalls Dienstleister der MaFo-Kunden.

    Marktforschung braucht Veränderungen und muss mit den Veränderungen in der Dienstleister- und Kundenlandschaft gehen, das Ganze jedoch ohne die Kernleistungen zu vergessen oder dem goldenen Kalb Internet hinterherzurennen, oder?

    Was m.E. auf jeden Fall für uns alle gilt, ist der folgende Satz: “This current recession / depression is a good time to us to rethink, retool, and re-launch.”

    In diesem Sinne freue ich mich auf einen interessanten Austausch!

    Ein paar Zahlen aus Australien zu Qualität von Online-MaFo

    Eine bunte Themensammlung von Gründen und Argumenten, warum Technologie (aber nicht nur Technologie) Online-Befragungen verändern wird, findet sich hier . Immerhin werden in Australien bereits 33% aller Studien im Bereich Markt- und Medienforschung online durchgeführt.

    Klar, relativ spät wird deutlich, dass es sich bei dem Artikel um ein bisschen Werbung für die eigene Software handelt, aber trotzdem sind die Punkte interessant. Auch, weil sie mit Daten belegt werden.

    Hier sind die wichtigsten Erkenntnisse aus Australien, welche die Autoren empfehlen im Auge zu behalten, um Qualität und Robustheit von Daten (und den Entscheidungen, die darauf fußen) zu garantieren:

    • Alles, was online erhebungstechnisch technisch möglich ist und durch neue Technologien möglich wird, muss den Anforderungen an (traditionelle) Marktforschung gerecht werden (vor allem die Güte der Stichprobe im methodischen Sinne, aber auch das Ausschließen unerwünschter Effekte in den Befragungen selber).
    • Dazu gibt es die Zahlen, dass in Australien 0,25% der Internetnutzer für die Ergebnisse von 30% aller Online-Umfragen verantwortlich sind.
    • Mehrfachteilnahmen in unterschiedlichen Online-Panels ist die Hauptursache für dieses Ergebnis. ESOMAR wird zitiert, dass 6% aller Panelisten bei mehr als einem Panel registriert sind (und ich selbst bin auch bei mindestens fünf verschiedenen Panels registriert)

    In der Folge geht es dann noch um die modernen Möglichkeiten, wie man das verhindern kann. Da geht es dann um Fingerprint und Co., aber das ist wie gesagt eher Eigen-PR…

    Aber wenn wieder die Rede von Qualität im Rahmen von Online-Mafo die Rede ist, dann sollte man sich die Zahlen aus Australien noch einmal zu Gemüte führen.