Nach der guten Diskussion zu dem Thema, wie wir mit unserem Fachnachwuchsumgehen und umgehen sollten, möchten wir heute einen weiteren Gastbeitrag veröffentlichen.
Saskia Kettner, qualitative Marktforscherin, schreibt über Wachstum und Wildwuchs, eine sehr gelungene Bestandsaufnahme und treffende Diagnose so mancher Realitäten, mit denen wir uns “da draußen” auseinandersetzen müssen. Ein echt toller Beitrag mit der nötigen “Wut im Bauch”.
Und wie immer, viel Spaß beim Lesen.
Qualitative Online Forschung – Wachstum vs. Wildwuchs
In zahlreichen Instituten wachsen neuerdings Units, Departments oder schlicht Abteilungen für qualitative Online-Forschung. Seien es Blogstudien, Consumer-Communities oder Forumsforschung – Hauptsache man geht online. Da werden mal schnell ein paar Probanden durch einen Online-Fragebogen geschickt oder ein bisschen online diskutiert und schwupps haben wir eine neue Insight Community aufgesetzt. So einfach und schnell geht das! Da freuen sich Forscher und Kunde. Aber nicht lange. Denn früher oder später wird die Sehnsucht nach echten Erkenntnissen wieder größer werden als die Methodenverliebtheit es momentan ist. Hoffentlich. Im momentanen Hype bleibt leider etwas auf der Strecke… echte Erkenntnisse und Einblicke. Ich nehme eine große Heckenschere und schneide ein paar Triebe vom Wildwuchs ab…..
Schnapp: “Unser Offline-Moderator kann locker auch Ihr 4-wöchiges Online-Projekt leiten. Nein, direkte Erfahrungen hat er nicht. Warum?”
Schnipp: “Für die Teilnehmer nehmen wir einfach die Facebook-Freunde, die sind ja internetaffin!”
Schnapp: “Unser Praktikant ist bei Facebook, der kann Sie methodisch bestens beraten.”
Schnapp: “Wir schalten das Forum abends und am Wochenende immer ab. Die Leute können dann ja auch am Montag ihre Eindrücke posten.”
Schnipp: “Die Probanden sollten auf alle Fälle unter ihrem Klarnamen diskutieren, das erhöht die Verbindlichkeit. Was meinen Sie mit jetzt mit Datenschutz?”
Angesichts dieser und ähnlicher Aussagen von Experten der qualitativen Online-Forschung bleibt nur ein Schluss: Wir brauchen dringend Qualitätsstandards. Und ausreichend Weiterbildungsangebote für die Kollegen.
Doch momentan sehen wir nicht nur Wildwuchs, sondern auch wunderschönes gesundes Wachstum. Kreative Methoden mit sorgfältig rekrutierten Probanden online umgesetzt. Eine Freude für das Forscherherz. In der qualitativen Online-Forschung können wir alle unseren Spieltrieb voll ausleben. Neue Methoden ausprobieren und ausdenken. Lasst uns alle zusammen auf die junge Pflanze Online-Forschung aufpassen. Regelmäßig mit frischen Ideen gießen, ab und an neuen Technik-Dünger verwenden, Wassertriebe abschneiden und eine kleine Qualitäts-Stange zum Hochranken anbieten. Dann können wir uns alle an einer reichen Insight-Ernte erfreuen!







